Abstandshalter in Stahlbeton
Asbesthaltige Abstandhalter sind vergleichsweise kleine Bauteile aus Asbestzement, die beim Herstellen von Stahlbetonbauteilen eingesetzt wurden. Ihre Aufgabe bestand darin, während des Betonierens einen definierten Abstand zwischen der Bewehrung und der Schalung einzuhalten. Dadurch wurde die erforderliche Betondeckung der Bewehrung sichergestellt.
Obwohl die einzelnen Abstandhalter nur einen sehr kleinen Anteil eines Betonbauteils ausmachen, können sie bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten eine erhebliche Bedeutung haben. Werden asbesthaltige Abstandhalter zusammen mit dem Beton abgebrochen, gelangt Asbest in den entstehenden Bauschutt und kann dessen weitere Verwertung einschränken.
Nach der Expertenempfehlung des Gesamtverbandes Schadstoffsanierung (GVSS) wurden asbesthaltige Abstandhalter nach bisherigem Kenntnisstand von den 1960er-Jahren bis zum Asbestverbot 1993 eingesetzt. Die industrielle Herstellung asbesthaltiger Abstandhalter ist ab 1962 belegt.
Typische Formen asbesthaltiger Abstandhalter
Asbesthaltige Abstandhalter können sehr unterschiedlich aussehen. Nach den Erfahrungen, die in der Expertenempfehlung des GVSS beschrieben werden, treten bei asbesthaltigen Produkten häufiger vergleichsweise filigrane Formen auf.
Bekannt sind beispielsweise:
- sogenannte Knochen
- Schmetterlingsformen
- Sterne
- Wellenformen
- längliche Abstandhalter
- gerade oder gewellte Stangen
- quadratische oder dreieckige Querschnitte
Asbestverdächtige zementäre Abstandhalter weisen häufig eine feinkörnige Struktur, relativ glatte Oberflächen und teilweise scharfe Kanten auf. Sie können gegenüber dem umgebenden Beton etwas dunkler erscheinen.
Diese Merkmale sind allerdings lediglich Hinweise auf einen möglichen Asbestgehalt. Von Form, Farbe oder Oberflächenstruktur allein kann nicht sicher auf Asbest geschlossen werden.

Wo befinden sich Abstandhalter?
Aufgrund ihrer ursprünglichen Funktion befinden sich Abstandhalter vor allem im Bereich der ehemaligen Schalungsoberflächen von Stahlbetonbauteilen.
Typische Fundstellen sind:
- Decken und deren Untersichten
- Stahlbetonwände
- Stützen
- Unterzüge
- Treppenelemente
- Fassadenelemente
- Betonfertigteile
- Brückenbauwerke
- Tunnel
- Parkhäuser
- Industrie- und Kraftwerksbauten
An Deckenuntersichten können Abstandhalter insbesondere in der Nähe von Bauteilrändern sowie unter aufgehenden Bauteilen vorkommen. Innerhalb größerer Flächen orientiert sich ihre Anordnung häufig am Verlauf der Bewehrung.
An Wänden und Stützen können ebenfalls Abstandhalter vorhanden sein, teilweise jedoch mit größeren Abständen. Häufig ergeben sich regelmäßige Linien oder Muster, die längs, quer oder teilweise diagonal über eine Betonoberfläche verlaufen.
Abstandhalter können vollständig im Beton verborgen sein
Eine besondere Schwierigkeit bei der Schadstofferkundung besteht darin, dass nicht alle Abstandhalter an der Betonoberfläche sichtbar sind.
Während des Betonierens konnten sich Abstandhalter verschieben oder durch Beton bzw. Zementleim überdeckt werden.
Typische Situationen sind:
- Unterkriechen mit Zementleim: Der Abstandhalter wird teilweise von Zementleim überdeckt und ist an der Oberfläche nur noch schwach erkennbar.
- Verdrehte Lage: Ein Abstandhalter kann innerhalb der Bewehrung verdreht worden und vollständig von Beton umschlossen sein.
- Versunkene Abstandhalter: Durch Lageänderungen der Bewehrung können Abstandhalter weiter in das Bauteilinnere gelangt sein.
- Einsatz zwischen Bewehrungsstäben: Abstandhalter wurden teilweise auch als Trennkörper zwischen Stahlstäben eingesetzt.
- Überbauung: Beispielsweise bei erdberührten Bauteilen oder nachträglichen Abmauerungen sind mögliche Fundstellen nicht zugänglich.
- Beschichtungen und Putze: Putz, Beschichtungen oder Vorsatzschalen können die ursprüngliche Betonoberfläche und damit die Abstandhalter verdecken.
Eine ausschließlich oberflächliche Sichtprüfung kann deshalb einen Asbestverdacht nicht in jedem Fall sicher ausschließen.
Mauerstärken als verwandte Asbestanwendung
Im Zusammenhang mit asbesthaltigen Abstandhaltern werden häufig auch sogenannte Mauerstärken betrachtet.
Mauerstärken sind Hülsen, die beim Betonieren von Wänden eingesetzt wurden, um die vorgesehene Wandstärke bei der Verwendung von Spannankern einzuhalten. Sie verblieben anschließend im Beton und konnten unter anderem aus Asbestzement bestehen.
Asbest kann dabei nicht nur in der eigentlichen Hülse vorkommen. Bei asbesthaltigen Mauerstärken wurden unter anderem auch verwendet:
- Asbestzementstopfen
- asbesthaltige Füllmassen
- asbesthaltige Verschlussmörtel
- Asbestschnüre
- in Einzelfällen ungebundene asbesthaltige Stopfmassen
Mauerstärken können an Betonoberflächen häufig anhand kreisrunder und regelmäßig angeordneter Stellen erkannt werden.
Wie erkennt man asbesthaltige Abstandhalter?
Eine erste Erkundung erfolgt üblicherweise anhand des Baualters, der vorhandenen Betonoberflächen und charakteristischer Verlegemuster.
Bei Stahlbetonbauteilen aus dem Zeitraum 1960 bis 1993 sollte das mögliche Vorkommen asbesthaltiger Abstandhalter bei einer Schadstofferkundung berücksichtigt werden.
Insbesondere zementäre Abstandhalter sind als Verdachtsmaterial näher zu untersuchen. Abstandhalter aus Kunststoff, Metall, Holz oder Gestein gelten nach dem derzeitigen Erkenntnisstand dagegen nicht als asbestverdächtig.
Eine visuelle Beurteilung kann jedoch immer nur einen Verdacht ergeben. Auch asbestfreie zementgebundene Abstandhalter können ähnlich aussehen.
Probenahme und Laboranalyse
Zur sicheren Feststellung eines Asbestgehaltes ist eine Materialanalyse erforderlich.
Asbestverdächtige zementäre Abstandhalter sollten gezielt und möglichst emissionsarm beprobt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Probe tatsächlich das Material des Abstandhalters repräsentiert und möglichst wenig umgebenden Beton enthält.
Die Probenahme erfolgt entsprechend VDI 3866 Blatt 1. Für die Laboruntersuchung kommt die Analyse nach VDI 3866 Blatt 5 mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM) und energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX/EDXA) zum Einsatz.
Die Gewinnung einer einfachen Bohrmehlprobe ist für Abstandhalter nicht geeignet, da die Art der Probengewinnung das Analysenergebnis beeinflussen kann.
Bedeutung bei Sanierung und Abbruch
Solange ein asbesthaltiger Abstandhalter unbeschädigt im Stahlbeton eingebettet ist, befindet sich der Asbest in einer zementären Matrix. Relevant wird das Vorkommen insbesondere dann, wenn in den Stahlbeton eingegriffen wird.
Dies betrifft beispielsweise:
- Abbrucharbeiten
- Stemmarbeiten
- Fräsarbeiten
- Bohrungen
- Sägearbeiten
- Betonreparaturen
- das Freilegen der Bewehrung
- die Aufbereitung von Betonabbruch
Eine mechanische Zerstörung der Abstandhalter kann zur Freisetzung von Asbestfasern führen. Bei Erkundungsarbeiten sollte deshalb eine unnötige Zerstörung der Abstandhalter vermieden und möglichst emissionsarm gearbeitet werden.
Darüber hinaus haben asbesthaltige Abstandhalter erhebliche Bedeutung für die spätere Entsorgung oder Verwertung des Betonabbruchs.
Obwohl die Abstandhalter nur einen sehr kleinen Massenanteil des Bauwerks ausmachen, gelangen sie beim Abbruch in den Betonbruch. Technische Asbestprodukte sollen aus dem Wirtschaftskreislauf ausgeschleust werden. Das Vorhandensein einzelner asbesthaltiger Abstandhalter kann deshalb die Verwertung großer Mengen ansonsten hochwertigen Betonabbruchs beeinflussen.
Expertenempfehlung des Gesamtverbandes Schadstoffsanierung
Für die fachgerechte Erkundung, Probenahme, Bewertung, Sanierung und Asbestentfrachtung von Stahlbetonbauwerken mit asbesthaltigen Abstandhaltern hat der Gesamtverband Schadstoffsanierung (GVSS) e. V. eine ausführliche Expertenempfehlung veröffentlicht.
Die Expertenempfehlung in der Fassung vom 14. November 2025 behandelt unter anderem:
- typische Einbausituationen von Abstandhaltern
- verdeckt liegende Abstandhalter
- Mauerstärken
- visuelle und invasive Erkundungsmethoden
- Probenahmestrategien
- Laboranalytik
- Abbruch- und Sanierungsverfahren
- Arbeitsschutz
- Möglichkeiten zur Ausschleusung von Asbest aus Betonabbruch
- Qualitätssicherung bei der Asbestentfrachtung
Für die Planung größerer Erkundungs-, Sanierungs- oder Abbruchmaßnahmen stellt die Expertenempfehlung eine wichtige weiterführende Fachinformation dar.
Fazit
Asbesthaltige Abstandhalter sind eine leicht zu übersehende Asbestanwendung in Stahlbetonbauwerken. Anders als großflächige Asbestprodukte machen sie nur einen sehr kleinen Teil des jeweiligen Bauteils aus und können vollständig oder teilweise im Beton verborgen sein.
Besonders bei Stahlbetonbauten aus dem Zeitraum der 1960er-Jahre bis 1993 sollte ihr mögliches Vorkommen deshalb bei Schadstofferkundungen berücksichtigt werden.
Aus Form und Aussehen lässt sich ein Asbestgehalt nicht sicher bestimmen. Bei zementären Verdachtsmaterialien ist eine gezielte Probenahme mit anschließender Laboranalyse erforderlich.
Für Sanierungs- und Abbruchvorhaben besitzen asbesthaltige Abstandhalter eine besondere Bedeutung, da bereits kleine Asbestbauteile dazu führen können, dass der entstehende Betonabbruch nicht ohne Weiteres als Recyclingbaustoff verwendet werden kann.