Verwendung von Formaldehyd in Gebäuden
Formaldehyd ist kein Baustoff an sich, sondern ein chemischer Grundstoff, der in vielen Bau- und Ausstattungsprodukten als Bestandteil von Klebern, Harzen und Beschichtungen enthalten ist. Besonders weit verbreitet war die Verwendung von Formaldehyd in Holzwerkstoffen, aber auch in Lacken, Farben, Dämmstoffen und anderen Innenraummaterialien.
Die Freisetzung erfolgt über Ausgasung in die Raumluft, oft über viele Jahre hinweg. Aufgrund der gesundheitlichen Relevanz von Formaldehyd ist die Kenntnis über mögliche Quellen in Gebäuden besonders wichtig bei Sanierungen und Raumluftbewertungen.
Typische formaldehydhaltige Materialien und Anwendungen
Holzwerkstoffe
Die bei weitem wichtigste Quelle von Formaldehyd in Gebäuden sind Spanplatten und andere Holzwerkstoffe, die mit Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (UF-Harzen) gebunden sind:
- Rohspanplatten (für Wände, Decken, Fußböden)
- Möbelplatten, Küchenfronten, Einbauschränke
- OSB-Platten, Sperrholz, MDF-Platten (je nach Bindemitteltyp)
Je nach Herstellungszeitraum und Plattentyp können die Emissionen sehr unterschiedlich ausfallen. Produkte vor 1990 sind häufig stark emissionsbelastet.
Klebstoffe und Beschichtungen
Formaldehydhaltige Kleber und Harze wurden auch in folgenden Anwendungen verwendet:
- Fußbodenkleber, insbesondere bei Parkett und Teppichen
- Verleimungen von Laminat und Furnieren
- Lacke und Lasuren, besonders bei Altanstrichen auf Holzflächen
- Tapetenkleister, v. a. in älteren Produkten
Dämmstoffe
Einige Dämmstoffe, insbesondere Mineralwolle-Produkte, wurden mit formaldehydhaltigen Bindemitteln (UF-Harzen) verarbeitet:
- Glaswolle und Steinwolle, v. a. vor dem Jahr 2000
- Teilweise auch Schaumstoffe mit formaldehydhaltigem Treibmittel oder Zusätzen
Textilien und Bodenbeläge
- Textile Bodenbeläge, Teppiche, Vorhänge: ausgerüstet mit formaldehydhaltigen Ausrüstungen (z. B. knitterarm, flammhemmend)
- PVC-Bodenbeläge mit formaldehydhaltigem Untergrund oder Kleber
Verwendungszeiträume und Verbreitung
- 1950er–1990er Jahre: breite Verwendung von formaldehydhaltigen UF-Harzen in Holzwerkstoffen
- Erst ab den 1990er-Jahren wurden die Emissionen durch Grenzwerte und emissionsarme Produkte deutlich reduziert
- Heute sind E1-Platten (≤ 0,1 ppm Formaldehyd) Standard; ältere Platten oder unbekannte Produkte können deutlich höhere Emissionen aufweisen
Relevanz für Sanierung und Innenraumdiagnostik
Formaldehydquellen in Gebäuden sind oft nicht sichtbar, da es sich um gebundene Stoffe in Materialien handelt. Dennoch kann es zu chronischen Raumluftbelastungen kommen – vor allem in:
- Altbauten mit alten Holzverkleidungen oder Einbaumöbeln
- Sanitärräumen, Küchen, Kinderzimmern
- Kleineren oder schlecht belüfteten Räumen
Eine Raumluftmessung ist häufig die einzige Möglichkeit, eine Belastung festzustellen. Bei hohen Werten kann ein Austausch der Materialien oder eine Oberflächenbehandlung erforderlich sein.