Verwendung von Polychlorierten Biphylen (PCB) in Gebäuden

Polychlorierte Biphenyle (PCB) wurden zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren in zahlreichen technischen und baulichen Produkten eingesetzt. Aufgrund ihrer hervorragenden chemischen und thermischen Stabilität galten sie als vielseitige Industriechemikalien – bis ihre Gesundheits- und Umweltgefahren bekannt wurden. In Gebäuden wurden PCB insbesondere als Weichmacher, Isoliermittel und Hydraulikflüssigkeit verwendet. Auch Jahrzehnte nach dem Verwendungsverbot sind sie in vielen Bestandsgebäuden noch vorhanden.

Typische Einsatzbereiche in Gebäuden

Fugenmassen

  • Elastische Fugenabdichtungen in Betonfertigteilbauten – vor allem an Fassaden, Deckenanschlüssen und Fensterlaibungen
  • Verwendet zwischen ca. 1960 und 1975, v. a. in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Verwaltungsbauten und Plattenbauten
  • PCB-Gehalte in Fugenmassen können bis zu 30 % betragen
  • Besonders kritisch, da dauerhafte Ausgasung in die Raumluft möglich ist

Dichtstoffe und Vergussmassen

  • Verwendung in Kabeldurchführungen, Anschlussfugen, Fugen in Technikzentralen oder Schaltschrankdurchführungen
  • Auch in Fugendichtbändern oder Fensterabdichtungen zu finden
  • PCB-haltige Dichtmassen lassen sich optisch oft nicht von unbedenklichen unterscheiden

Farben, Lacke und Beschichtungen

  • Verwendung als Weichmacher oder Flammschutzmittel in bestimmten Farbanstrichen, Kunstharzlacken oder Korrosionsschutzmitteln
  • Vorkommen z. B. in technischen Räumen, Kellern, Heizungsanlagen, Stahlträgern
  • In seltenen Fällen in Wandanstrichen in Innenräumen

Bodenbeläge und Klebstoffe

  • PCB-haltige Kleber und Versiegelungen in Sporthallenböden, Holzbelägen oder Gussasphalt
  • V. a. in Kombination mit Parkett oder Kunstharzböden
  • Auch in sogenannten Kunststoffestrichen können PCB enthalten sein

Elektrische Geräte und Bauteile

  • Transformatoren, Kondensatoren und Leuchtstofflampen-Ballastgeräte mit PCB-haltigen Isolier- oder Kühlflüssigkeiten
  • Vor allem in älteren Anlagen vor 1980 – heute nur noch in Bestandsanlagen oder Altgeräten
  • Bei Beschädigung oder unsachgemäßer Entsorgung besteht Leckagegefahr

Verbreitung in Gebäudetypen

  • Besonders häufig in Gebäuden, die zwischen 1955 und 1985 errichtet oder saniert wurden
  • Verbreitet in:
    • Schulen, Kindergärten, Universitäten
    • Verwaltungsgebäuden
    • Krankenhäusern
    • Plattenbauten und Fertigteilbauten
    • Sporthallen und Schwimmbädern

Sanierungsrelevanz

PCB-haltige Bauteile stellen eine besondere Herausforderung bei der Sanierung dar:

  • Fugenmassen mit PCB gasen über Jahre aus – oft auch in geschlossenen, aber nicht luftdichten Räumen
  • PCB können in angrenzende Materialien (z. B. Beton, Putz, Dämmung) diffundieren und diese ebenfalls kontaminieren
  • Mechanische Eingriffe (z. B. Ausbau, Schleifen) können hohe Konzentrationen in der Raumluft freisetzen

Daher ist vor Sanierungen in entsprechenden Baualtersklassen eine Gefährdungsabschätzung und ggf. Laboranalyse erforderlich.