Asbestzement-Rohre

Asbestzement-Rohre wurden in Deutschland ab den 1930er-Jahren in großem Umfang für Wasser- und Abwasserleitungen eingesetzt. Bis in die 1980er-Jahre galten sie als langlebig, korrosionsbeständig und preiswert. Erst mit dem wachsenden Bewusstsein über die Gesundheitsrisiken von Asbest wurde ihre Verwendung nach und nach eingestellt. Heute sind sie zwar nicht mehr zulässig, aber vielerorts noch im Boden oder im Gebäude vorhanden.

Zusammensetzung und Eigenschaften

Asbestzement besteht aus:

  • Zment als Bindemittel
  • Asbestfasern (meist 10–15 %, v. a. Chrysotil) zur Verstärkung
  • Teilweise Zusätze wie Cellulose oder Quarzmehl

Durch die Beigabe von Asbest wurden die Rohre:

  • druck- und zugfest
  • frost- und korrosionsbeständig
  • formstabil und langlebig

Sie wurden industriell gefertigt und in verschiedenen Nennweiten (DN) produziert – sowohl für Hausanschlüsse als auch für kommunale Netze.

Einsatzbereiche

Asbestzement-Rohre wurden verwendet für:

  • Trinkwasserleitungen (Hausanschlüsse, Verteilungsleitungen)
  • Abwasserleitungen im Erdreich
  • Regenwasserkanäle
  • Drainagen und Entwässerungssysteme
  • Teilweise auch Lüftungskanäle oder Schutzrohre für Kabel

Die Verlegung erfolgte meist erdverlegt im Außenbereich, aber auch innerhalb von Gebäuden (z. B. in Kellern oder Schächten).

Verwendungszeitraum

  • In Deutschland verbreitet von ca. 1930 bis 1985
  • Seit dem Asbestverbot 1993 nicht mehr zulässig
  • In Neubauten seit Ende der 1980er in der Regel nicht mehr eingesetzt
  • Altbestände sind jedoch noch vielfach vorhanden – oft unentdeckt

Gesundheitsrisiken

Asbestzement gilt als fest gebunden, d. h. die Fasern sind im Material eingebunden. Eine Gefahr besteht jedoch:

  • Bei mechanischer Bearbeitung (Sägen, Bohren, Fräsen, Zerschlagen)
  • Beim Zerfall durch Alterung oder Frostschäden
  • Bei unsachgemäßem Rückbau
  • Beim Durchtrennen bei Erdarbeiten oder Sanierungen

Dann können lungengängige Asbestfasern freigesetzt werden, die beim Einatmen Asbestose, Lungenkrebs oder Mesotheliome auslösen können.

Bei unbeschädigten, vergrabenen Rohren besteht unter normalen Bedingungen keine akute Gefährdung, eine Vorsorgebewertung ist dennoch erforderlich.

Erkennung

Asbestzement-Rohre sind häufig:

  • Grau bis hellgrau
  • Glatt oder leicht geriffelt
  • Mit aufgestempelter Bezeichnung (z. B. „FZ“, „AZ“, „DN“)
  • In Längen von ca. 1–4 m mit Muffenverbindung

Hinweise auf ein asbesthaltiges Produkt sind:

  • Verlegung vor 1990
  • Keine Kennzeichnung mit „asbestfrei“
  • Muffenverbindung mit Hanf oder Bitumenband

Sicherheit gibt nur eine Materialanalyse durch ein Fachlabor.

Rückbau und Entsorgung

Wird ein Asbestzement-Rohr beschädigt oder soll ausgebaut werden, gelten die Vorschriften der TRGS 519:

  • Nur durch fachkundige Firmen mit Sachkundenachweis
  • Staubarmes Arbeiten, ggf. Befeuchten
  • Kein Brechen oder Schneiden ohne Schutzmaßnahmen
  • Persönliche Schutzausrüstung (FFP3-Maske, Schutzanzug)
  • Kennzeichnung und Entsorgung als asbesthaltiger Abfall (AVV 170605*)

Beim Rückbau aus dem Erdreich müssen Boden und umliegendes Material ggf. ebenfalls als kontaminiert bewertet werden.

Relevanz bei Sanierungen

  • Erkennungspflicht bei Erdarbeiten, Rückbau, Rohrsanierung
  • Bauakten, Pläne oder Luftbilder helfen bei der Erfassung
  • Kommunale Leitungspläne sind nicht immer vollständig oder aktuell
  • Rückbau oft aufwendig und teuer – insbesondere bei Hausanschlüssen

Alternativen

Moderne Ersatzprodukte sind z. B.:

  • Kunststoffrohre (PE-HD, PP, PVC-U)
  • Gusseisen- oder Edelstahlrohre
  • Faserzement ohne Asbest (in anderen Ländern teilweise noch üblich, in DE nicht zugelassen)

Fazit

Asbestzement-Rohre stellen heute ein verdecktes Risiko dar – insbesondere bei Tiefbauarbeiten, Rohrsanierungen oder Altbausanierungen. Sie gelten als asbesthaltiges fest gebundenes Produkt, das bei unsachgemäßer Bearbeitung gesundheitsgefährdend ist. Eine fachkundige Bewertung, sachgerechter Rückbau und sichere Entsorgung sind unerlässlich.