Gesundheitsrisiken von PCB (Polychlorierte Biphenyle)

Polychlorierte Biphenyle (PCB) gehören zu den sogenannten persistenten organischen Schadstoffen (POP). Sie wurden über viele Jahrzehnte in technischen und baulichen Anwendungen eingesetzt – lange Zeit, ohne dass ihre Gefährlichkeit bekannt war. Heute weiß man: PCB sind umwelt- und gesundheitsgefährdend, können sich im Körper anreichern und über lange Zeiträume hinweg chronische Schädigungen verursachen.

Aufnahmewege und Eigenschaften

PCB sind fettlöslich, chemisch sehr stabil und können sich in biologischen Geweben anreichern. Einmal aufgenommen, verbleiben sie über Jahre im menschlichen Körper und können sich in Organen wie der Leber, im Fettgewebe und im zentralen Nervensystem anreichern.

Mögliche Aufnahmewege:

  • Inhalation von PCB-haltiger Raumluft
  • Hautkontakt mit belasteten Oberflächen oder Materialien
  • Aufnahme über Hausstaub, insbesondere bei Kindern durch Hand-Mund-Kontakt
  • Orale Aufnahme über belastete Nahrungsmittel (v. a. in Umweltkontexten)

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen

Die gesundheitlichen Risiken hängen von Konzentration, Dauer der Exposition, individueller Empfindlichkeit und Art der PCB-Verbindungen ab. Es existieren 209 mögliche Einzelverbindungen (Kongenere), von denen einige besonders toxisch wirken.

Leber- und Stoffwechselstörungen

  • PCB können die Leberfunktion beeinträchtigen und die Aktivität bestimmter Enzyme verändern.
  • Es besteht ein Zusammenhang mit erhöhten Blutfettwerten und Stoffwechselstörungen.

Hormonelle Wirkungen

  • Einige PCB-Kongenere wirken als endokrine Disruptoren – sie können das hormonelle Gleichgewicht stören.
  • Mögliche Effekte: Störungen der Schilddrüsenfunktion, der Fortpflanzung oder der kindlichen Entwicklung.

Immunsystem

  • Langfristige PCB-Belastungen können das Immunsystem schwächen.
  • In Tierstudien wurde eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen nachgewiesen.

Nervensystem

  • Besonders bei ungeborenen Kindern, Säuglingen und Kleinkindern können PCB die Gehirnentwicklung beeinträchtigen.
  • Studien zeigen mögliche Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und motorischer Entwicklung.

Krebsrisiko

  • Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PCB als wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen (Gruppe 2A) ein.
  • Hinweise bestehen auf ein erhöhtes Risiko für:
    • Leberkrebs
    • Lymphome
    • Brustkrebs

Wer ist besonders gefährdet?

  • Bewohner belasteter Gebäude, insbesondere bei hoher PCB-Konzentration in der Raumluft
  • Kinder, aufgrund ihrer höheren Aufnahme pro Körpergewicht und ihrer Empfindlichkeit in der Entwicklung
  • Handwerker und Sanierungspersonal, wenn PCB-haltige Materialien mechanisch bearbeitet oder entfernt werden
  • Schwangere Frauen, da PCB die Plazenta passieren können und das ungeborene Kind gefährden

Risiko in Innenräumen

Die Raumluftbelastung durch PCB ist das zentrale Thema im Gebäudekontext. Vor allem offene PCB-Quellen, wie elastische Fugenmassen, Farben oder Dichtstoffe, können kontinuierlich flüchtige PCB-Verbindungen an die Raumluft abgeben.

Bereits bei Raumluftkonzentrationen ab 300 ng/m³ wird aus Vorsorgegründen eine Sanierung empfohlen. Bei Konzentrationen über 3000 ng/m³ ist eine umgehende Sanierung notwendig (nach PCB-Richtlinie von Bund/Ländern).

Rechtliche Einstufung und Grenzwerte

  • PCB sind in Deutschland seit 1989 verboten, europaweit durch die Stockholm-Konvention geregelt.
  • Die TRGS 900 nennt Arbeitsplatzgrenzwerte für PCB.
  • Die PCB-Richtlinie (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft) regelt Maßnahmen in Innenräumen:
    • kleiner 300 ng/m³: unbedenklich
    • 300–3000 ng/m³: mittlere Belastung → Sanierung empfohlen
    • größer 3000 ng/m³: hohe Belastung → umgehende Sanierung erforderlich